FC Sevelen wurde zu spät aktiv

In Bad Ragaz ging die Ungeschlagenheit in der Rückrunde für den FC Sevelen schneller zu Ende, als viele gedacht hätten. Der Vertreter der Spitzengruppe unterlag den mitten im Abstiegskampf verwickelten Sarganserländern mit 2:4.

Ein Pfiff in der 35. Minute besiegelte das Schicksal des FC Sevelen. Innenverteidiger Fabio Pettineo wurde während eines Eckballs des FC Bad Ragaz des Feldes verwiesen. Bestürzung auf Seite des FC Sevelen, Verwirrung auf den Rängen war die Folge. «Ich habe nichts gesehen» war die häufigste Aussage der Beteiligten, auch von Sevelens Trainer Marco Rissi nach dem Spiel. Genau hingesehen hat aber Schiedsrichter Adnan Smajic. Er sah, wie der fehlbare Spieler seinem Gegenspieler einen Tritt verpasste. Die Folge: rote Karte, indirekter Freistoss (da der Ball woanders war), Tor zum 2:1 für das Heimteam und letztlich die erste Rückrundenniederlage des FC Sevelen.

Hypothek war zu hoch
«Mit Bad Ragaz hat die glücklichere Mannschaft gewonnen», urteilt Spielertrainer Rissi nach der umkämpften Partie, in welcher das Heimteam sieben gelbe Karten kassierte – und der Gast eben jene rote. «Der Schiedsrichter hat auch seinen Teil zur Niederlage beigetragen», meint Rissi weiter. «Die Hypothek mit der roten Karte war in der zweiten Halbzeit natürlich hoch. Mit elf Mann hätten wir mehr Druck machen können.»

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Da war die Seveler Welt noch in Ordnung: Daniel Janssen (hinten) erzielt gekonnt mittels Heber das Führungstor. (Bild: Robert Kucera)

Dem Ausgleich nahe
Doch als Hauptschuldiger der Seveler Niederlage eignet sich der Referee nicht. Dies sieht auch Marco Rissi ein. «Wir zeigten heute kein Topspiel.» Wirklich zufrieden konnte er nur mit der zweiten Halbzeit sein. Besonders nach dem Anschlusstreffer zum 3:2 durch Doppeltorschütze Daniel Janssen ging ein sichtbarer Ruck durch die dezimierte Mannschaft, die einige Male nahe am Ausgleich war. Wie in der 77. Minute, als Argzon Aliu im Zentrum frei stehend an den Ball kam, sein Schuss aus der Drehung heraus ging knapp übers Tor. Es war fast eine Kopie jener Situation, die sich zwei Minuten zuvor im andern Strafraum abgespielt hatte. Hier kam Santana Schneider an den Ball, schoss aus der Drehung – Sevelens Torhüter Manuel Zangger hielt sein Team mit einer Glanzparade im Spiel. Diese Szene dokumentiert aber auch, dass die Entscheidung in dieser Partie jederzeit in der Luft lag. Auch wenn das Heimteam, darüber war Trainer Bedros Ercin einige Male äusserst erbost, zu passiv agierte. In der 87. Minute aber war erneut der dreifache Torschütze Urs Kunfermann ein Aktivposten. Er dribbelte so lange im Seveler Strafraum herum, bis er endlich gestoppt wurde – zum Ärger der Gäste regelwidrig von Schlussmann Zangger. Den fälligen Elfmeter verwandelte Samuel Näf sicher zum 4:2-Endstand.

Passive Gäste
«Heute war nicht alles schlecht», lässt Sevelens Spielertrainer Marco Rissi Milde walten. «Wir haben das Beste aus der Situation gemacht und waren dem Ausgleich nahe.» Doch er weiss genau, dass seine Crew, die zu den Spitzenteams der 3. Liga Gruppe 1 gehört, gar nie in diese Lage gegen den FC Bad Ragaz, der gegen die Relegation kämpft, hätte kommen müssen. «Wenn man die erste Halbzeit anschaut, war Bad Ragaz überlegen. Wir sind nie ins Spiel gekommen.» Mit der Passivität des Gastes konnte die Crew des ehemaligen Grabser Trainers Ercin lange Zeit nichts anfangen. Zu harmlos waren die Abschlüsse.

Nichts aus der Führung gemacht
Der FC Sevelen hat es verpasst, nach der schmeichelhaften Führung mit der Sicherheit eines Spitzenteams aufzutreten und das 1:0 zu halten. Denn die Szenerie hätte zur aktuellen Tabellenlage gepasst: Der Underdog rackert sich ab, macht bis zum Strafraum alles richtig, kann aber nie ernsthaft gefährlich werden – der Favorit schaut zu und schiesst aus dem Nichts das Führungstor.
(Quelle W&O vom 20.04.2015)